Gemeinde Sylt

Öffnungszeiten

Rathaus und Bahnweg 20-22

Öffnungszeiten:

Mo.-  Fr.     8.00 – 12.30 Uhr
Mo.+ Do.  14.00 – 17.00 Uhr

oder nach Vereinbarung

Das Standesamt Sylt ist an Freitagen
nur für Eheschließungen geöffnet.

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Inselverwaltung 
Gemeinde Sylt /Amt Landschaft Sylt

Rathaus
Andreas-Nielsen-Straße 1/ Bahnweg 20-22
25980 Sylt / Westerland

Postfach 1664
25969 Sylt / Westerland

Telefon 04651-851-0
Fax 04651-851-290
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Rede: Bürgermeister Nikolas Häckel


Liebe Sylter, liebe Gäste; Biike war und ist ein Tag, der nachdenklich macht. Historisch sogar ein Tag von Trennungsschmerz und Abschied - die Seefahrer legten ab, zogen in eine ungewisse Zukunft, auf Walfang. Damals war Biike kein Feiertag, sondern ein Treffpunkt - wo alle ein allerletztes Mal zusammen kamen vor der monate- oder jahrelangen Trennung, und manchmal war sie sogar für immer.


Zugleich war Biike auch Hoffnung - auf den nahenden Frühling, auf Arbeit und Wohlstand durch den Walfang. Ein Tag der Gemeinschaft also - im allerbesten Sinne. Der Gemeinschaft, die Menschen trägt. Die Hoffnung und Halt gibt - die durch Zusammenhalt stärkt.


Vieles verändert sich, manches bleibt – und das ist auch gut so. Heute sind die Biiken Orte des Zusammenkommens und des Zusammenhalts, sie wollen und sollen uns an die Tradition der Sylter Friesen erinnern und den Erhalt unserer Heimat anmahnen. Denn nur gemeinsam können wir unseren Kindern und Kindeskindern eine lebens- und liebenswerte Heimat übergeben. Was macht eine liebens- und lebenswerte Heimat aus? Mehr als eine gute Infrastruktur, mehr als Dauerwohnraum für Sylter – es geht dabei um viel mehr: Es geht um Gemeinschaft, um Gesellschaft, um das Miteinander. Es geht darum, dass Dir eine Hand gereicht wird, wenn es schwierig wird, dass Dir jemand zuhört, auch, wenn er anderer Meinung ist. Es geht darum, dass Du nebenan einen Liter Milch leihen kannst und jemand Oma liebevoll umsorgt, wenn Du unterwegs bist. Es geht darum, dass man in einer intakten Gemeinschaft niemals Einsatz aufrechnen muss, weil jeder irgendwann davon "gut hat", wie wir hier auf der Insel sagen. Diesen Profit kann nur einfahren, wer Leistung investiert, ganz uneigennützig. Hören wir auf abzuwarten, dass ein anderer aktiv wird. Fangen wir an.


Nehmen wir als Beispiel unsere sechs Freiwilligen Feuerwehren. Sie sichern in ihrer Freizeit und während ihrer Berufstätigkeit unseren Brandschutz - sie sind rund um die Uhr in Bereitschaft, für uns alle da, wenn wir sie brauchen. Dafür meinen großen Dank, meinen Respekt. Aber unsere Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen, um bei diesem Beispiel zu bleiben, haben wie so viele andere Ehrenämter auch extreme Nachwuchssorgen. Der Beruf fordert alle, wir wollen für unsere Familien da sein, und für Freunde, wir wollen chillen und Hobbies pflegen, da bleiben Zeit und Energie für das Ehrenamt schnell auf der Strecke. Aber: Ohne Ehrenamt geht es nicht. Ohne unsere Feuerwehrleute können wir uns nicht entspannt zurücklegen und uns darauf verlassen, dass im Notfall immer schnelle, kompetente Hilfe da ist. Aber es ist nicht nur die Feuerwehr, die unsere Gemeinschaft ausmacht: Die Sportvereine brauchen Trainer, die Musikvereine Musiker die Seniorenbetreuung ehrenamtlich Engagierte
Betreuer, die Flüchtlingshilfe motivierte Helfer und Sprachlehrer, die Politik
ehrenamtliche Politiker. Mein Appell: Es geht darum, unsere Zukunft gemeinsam zu
gestalten. Werdet aktiv, bringt Euch ein, engagiert Euch, packt mit an, mischt Euch
ein, helft, wo und wann immer Ihr könnt. Nur gemeinsam sind wir stark! Übrigens ist
beim Ehrenamt eines garantiert inklusive und das auch noch gratis: das unglaublich
gute Gefühl, Sinnvolles, Wichtiges und Richtiges zu tun. Wie konnte das Ehrenamt
so ins Hintertreffen geraten?


Auf unserer Insel spielt dabei natürlich auch unser Dauerbrenner „Dauerwohnraum“
eine Rolle. Ohne Einheimische kein Ehrenamt, ohne Zuhause kein Engagement.
Dauerhaft bezahlbare Wohnungen für Sylter zu schaffen und zu erhalten, als Basis
einer funktionierenden Gemeinschaft und Gesellschaft, das beschäftigt uns alle seit
Jahren. Die Gemeinde Sylt tut wirklich viel dafür, schafft Jahr für Jahr mehr als
hundert Dauerwohnungen für Sylter. Die Gemeinde hat bis heute mehr als 65 Mio €
investiert in Dauerwohnraum - für Sylter, für Sylt, für die Gemeinschaft. Denn nur,
wer ein Zuhause mit Perspektive hat, der kann sich auch engagieren. Es geht darum,
eine liebens- und lebenswerte Gemeinde zu bleiben und kein reines Urlaubsresort zu
werden, das seine einzigartige Natur zur Kulisse des Kommerzes degradiert und
seine eigentlichen Bewohner langsam ausrangiert. Lasst Sylt eine echte „Luxusinsel“
werden: Eine Insel, die es sich leisten kann und will für ihre Bewohner und für ihre
Mitarbeiter umfassend zu sorgen, die dann wiederum so gern und engagiert für den
Gast sorgen, wie es hier Tradition hat.


Die traditionsreiche Biike war und ist ein Tag der Gemeinschaft. Ein Tag, der die
Frauen der Walfänger damals nachdenklich an der Glut zurückließ. Auch in
Erinnerung an sie sollten wir uns heute und nicht nur hier am Feuer auf unsere
Gemeinschaft besinnen, auf unsere Ur-Tugenden, auf unsere friesischen Wurzeln.
Die Feuerwehr, das Rote Kreuz, die Dorfvereine, die Söl´ring Foriining, die
Ringreitervereine, die Sportvereine, die Seniorenbegleitung, die Flüchtlingshilfe, die
Musikvereine, die politischen Vertreter und so viele mehr … - sie alle pflegen
Traditionen und setzen sich engagiert für Ihren Ort ein. Sie zeigen uns, dass und
wie es gehen kann. Wenn jeder auch an alle denkt, nicht nur an sich. Wir brauchen
den Mut, einander zuzuhören; die Bereitschaft, das eigene Interesse nicht um jeden
Preis durchzusetzen. Den Mut, das Ringen um Lösungen in einer Demokratie nicht
als Schwäche zu empfinden; Den Mut, die Realität nicht zu leugnen, sondern sie
verbessern zu wollen. Lassen Sie uns gleich gemeinsam an unserer Biike unser
Friesenlied und unsere Heimathymne „Üüs Sölring Lön“ singen –Lieder von
Tradition, die an solch einem Feiertag dazugehören und uns Friesen viel bedeuten,
uns berühren. Abschließend noch Dank an die Sylter, die heute noch fließend
„Sölring“ sprechen und sich für dessen Erhalt einsetzen. Friesisch ist unsere
Heimatsprache - ich hoffe so sehr, dass sie nicht verloren geht, wie so viele
Sprachen.


"Rüm hart, klaar kiming."